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Sprechfunk — Phraseologie, Frequenzen, was sagt man wann und warum - Aircraft-Wissen

Sprechfunk — Phraseologie, Frequenzen, was sagt man wann und warum

Funkkommunikation in der Luftfahrt: Standard-Phraseologie, Buchstabieralphabet, typische Funksprüche und die häufigsten Fehler am Mikrofon.

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Sprechfunk — Phraseologie, Frequenzen, was sagt man wann und warum - Aircraft-Wissen
Sprechfunk Phraseologie Kommunikation BZF

Funkkommunikation in der Luftfahrt: Standard-Phraseologie, Buchstabieralphabet, typische Funksprüche und die häufigsten Fehler am Mikrofon.

Sprechfunk in der Luftfahrt — Klare Kommunikation rettet Leben

Funkverkehr in der Luftfahrt ist kein lockeres Gespräch. Jedes Wort folgt einem standardisierten System, das Missverständnisse ausschließen soll — denn ein Missverständnis auf der Frequenz kann im schlimmsten Fall zu einer Kollision führen. Die ICAO hat mit Doc 9432 (Manual of Radiotelephony) und Annex 10 einen weltweiten Standard geschaffen, der in der DACH-Region durch nationale Vorschriften ergänzt wird. Dieser Artikel vermittelt die Grundlagen der Funkphraseologie und erklärt, was wann und warum gesagt wird.

Das ICAO-Buchstabieralphabet

Die Grundlage jeder Funkkommunikation ist das phonetische Alphabet. Es wird verwendet, um Buchstaben eindeutig zu übermitteln — denn "B" und "D" oder "M" und "N" klingen auf einer verrauschten Frequenz identisch.

Buchstabe ICAO-Wort Aussprache
AAlphaAL-FAH
BBravoBRAH-VOH
CCharlieTCHAR-LEE
DDeltaDELL-TAH
EEchoECK-OH
FFoxtrotFOKS-TROTT
GGolfGOLF
HHotelHOH-TELL
IIndiaIN-DEE-AH
JJulietJEW-LEE-ETT
KKiloKEY-LOH
LLimaLEE-MAH
MMikeMAIK
NNovemberNO-WEM-BER
OOscarOSS-KAR
PPapaPAH-PAH
QQuebecKEH-BECK
RRomeoROH-ME-OH
SSierraSEE-ER-RAH
TTangoTANG-GO
UUniformJU-NEE-FORM
VVictorWIK-TAH
WWhiskeyWISS-KEY
XX-RayECKS-RAY
YYankeeJANG-KEY
ZZuluZOO-LOO

Zahlensprechen in der Luftfahrt

Zahlen werden in der Luftfahrt grundsätzlich als Einzelziffern gesprochen, mit wenigen Ausnahmen:

Ziffer Sprechweise Beispiel
0ZERORunway 09: "Runway zero niner"
1ONEFL 110: "Flight Level one one zero"
2TWOSquawk 2345: "Squawk two three four five"
3TREEHeading 330: "Heading tree tree zero"
4FOW-ER4500 ft: "Fow-er tousand five hundred"
5FIFEQNH 1015: "QNH one zero one fife"
6SIXFrequenz 123.6: "one two tree decimal six"
7SEV-EN
8AIT
9NIN-ERRunway 27: "Runway two seven"

Ausnahmen beim Zahlensprechen: Höhenangaben in ganzen Tausendern und Hundertern werden zusammengesetzt gesprochen: "Two thousand five hundred" statt "two zero zero zero fife zero zero". Flight Levels werden als Einzelziffern gesprochen: FL090 = "Flight Level zero niner zero".

Frequenztypen und ihre Funktion

Im DACH-Raum begegnen VFR-Piloten verschiedenen Frequenztypen:

Frequenztyp Kürzel Funktion
Tower TWR Kontrolle des Flugplatzverkehrs (Start, Landung, Platzrunde)
Ground GND Rollverkehr auf dem Vorfeld und den Rollwegen
Approach/Departure APP An- und Abflugkontrolle im TMA-Bereich
ATIS ATIS Automatische Informationsansage (Wetter, aktive Piste, NOTAM)
Flight Information Service FIS / INFO Verkehrsinformation und Flugberatung im unkontrollierten Luftraum
Pflichtmeldepunkt / CTAF INFO Eigenkoordination an unkontrollierten Plätzen
Notfrequenz 121.500 MHz Internationale Notfrequenz, ständig überwacht

Standard-Ausdrücke und ihre Bedeutung

Die Luftfahrt-Phraseologie verwendet definierte Begriffe mit exakter Bedeutung:

Ausdruck Bedeutung Verwendung
AFFIRM Ja Zustimmung (nie "yes" verwenden)
NEGATIVE Nein Ablehnung/Verneinung
ROGER Verstanden Information empfangen und verstanden (NICHT als Bestätigung einer Anweisung)
WILCO Will comply Anweisung verstanden und wird befolgt
READBACK Zurücklesen Wiederholung der Anweisung durch den Piloten
SAY AGAIN Bitte wiederholen Wenn eine Meldung nicht verstanden wurde
STANDBY Warten Sie ATC kann gerade nicht antworten
CLEARED Freigabe "Cleared for takeoff", "Cleared to land"
APPROVED Genehmigt Anfrage genehmigt
UNABLE Nicht möglich Anweisung kann nicht befolgt werden
CORRECTION Berichtigung Wenn man sich versprochen hat
MAYDAY Notfall Unmittelbare Gefahr für Luftfahrzeug oder Insassen
PAN PAN Dringlichkeit Ernste Situation, aber (noch) keine unmittelbare Gefahr
ROGER und WILCO niemals zusammen verwenden. ROGER bedeutet nur "verstanden", WILCO bedeutet "verstanden UND wird befolgt". Wer "Roger Wilco" sagt, verrät sich als Anfänger. Und: ROGER ist niemals eine Alternative zum Readback einer Freigabe.

Readback — Was muss zurückgelesen werden?

Der Readback ist ein Sicherheitsnetz. Bestimmte Informationen müssen zwingend zurückgelesen werden:

  • ATC-Routenfreigaben (Clearances)
  • Start- und Landefreigaben ("Cleared for takeoff" / "Cleared to land")
  • Pistenbezeichnungen
  • Höhenanweisungen
  • Kursanweisungen (Headings)
  • Geschwindigkeitsanweisungen
  • Squawk-Codes
  • Frequenzwechsel
  • Altimeter-Settings (QNH)

Beim Readback wird nur die relevante Information wiederholt, nicht der gesamte Satz. ATC bestätigt den korrekten Readback oder korrigiert mit "NEGATIVE, I SAY AGAIN..." bei Fehlern. Ein fehlerhafter Readback, der von ATC nicht korrigiert wird (Hearback-Error), ist eine häufige Unfallursache.

Typische Funkgespräche in der Praxis

Beispiel 1: Erstanruf und ATIS

Pilot: "Stuttgart Information, D-EABC, request"
ATC: "D-EABC, Stuttgart Information, go ahead"
Pilot: "D-EABC, Cessna 172, from Donaueschingen to Stuttgart, currently overhead Rottweil, altitude 3500 feet, with Information Delta, request transit through your control zone"
ATC: "D-EABC, squawk 5073, QNH 1019, expect runway 25, report reaching November One"
Pilot: "Squawk 5073, QNH 1019, wilco, D-EABC"

Beispiel 2: Startfreigabe an einem kontrollierten Platz

Pilot: "Nürnberg Tower, D-EABC, holding point runway 28, ready for departure"
ATC: "D-EABC, runway 28, cleared for takeoff, wind 260 degrees 8 knots"
Pilot: "Runway 28, cleared for takeoff, D-EABC"

Beispiel 3: Positionsmeldung an unkontrolliertem Platz

Pilot: "Schwäbisch Hall Information, D-EABC, Cessna 172, 5 miles south, inbound, 2500 feet, for landing, request airfield information"
(Kein ATC, daher Eigeninformation an andere Piloten auf der Frequenz)

Beispiel 4: Notanruf (MAYDAY)

Pilot: "MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY, Stuttgart Approach, D-EABC, Cessna 172, engine failure, position 5 miles north of Stuttgart, altitude 3000 feet, 2 persons on board, attempting forced landing"
ATC: "D-EABC, MAYDAY acknowledged, all stations stop transmitting except D-EABC. D-ABC, squawk 7700, say your intentions"

Funkzeugnisse: BZF I, BZF II und AZF

In Deutschland gibt es drei relevante Funkzeugnisse für Piloten:

Zeugnis Sprache Berechtigung Voraussetzung für
BZF II Deutsch VFR-Funk in deutscher Sprache im deutschen Luftraum PPL (nur nationale Flüge)
BZF I Englisch VFR-Funk in englischer und deutscher Sprache, auch international PPL (empfohlen für alle)
AZF Englisch Allgemeiner Flugfunk inkl. IFR-Phraseologie IR, CPL, ATPL

Die Prüfung wird bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) abgelegt und besteht aus:

  • Schriftlicher Teil: Multiple-Choice zu Technik, Verfahren, Regularien
  • Praktischer Teil (BZF I): Ablesen und Aufnehmen von englischen Funktexten, simuliertes Funkgespräch auf Englisch
  • Praktischer Teil (BZF II): Simuliertes Funkgespräch auf Deutsch

Die Vorbereitung auf das BZF kann als Selbststudium oder über einen Kurs bei der Flugschule erfolgen. Es empfiehlt sich, das Funkzeugnis parallel zur Flugausbildung zu erwerben, da die praktische Flugerfahrung das Verständnis der Funkphraseologie erheblich verbessert.

Häufige Fehler im Sprechfunk

Bestimmte Fehler treten bei Flugschülern und auch bei erfahrenen Piloten immer wieder auf:

  • "Takeoff" außerhalb der Freigabe verwenden: Das Wort "takeoff" ist ausschließlich für die Startfreigabe reserviert. In allen anderen Kontexten heißt es "departure". Grund: Teneriffa-Katastrophe 1977.
  • Rufzeichen abkürzen beim Erstanruf: Das Rufzeichen muss beim ersten Kontakt vollständig gesprochen werden. Erst nach Bestätigung durch ATC darf auf die letzten drei Zeichen abgekürzt werden.
  • QNH nicht readbacken: Der QNH-Wert muss immer zurückgelesen werden, da eine falsche Höhenmessereinstellung direkt die Flughöhe verfälscht.
  • Zu schnell sprechen: Verständlichkeit geht vor Tempo. Ruhig, deutlich und in normaler Geschwindigkeit sprechen.
  • "Äh" und Füllwörter: Die Taste loslassen, nachdenken, dann drücken und sprechen. Pausen zwischen den Sprüchen sind normal und erwünscht.
  • Frequenz blockieren: Vor dem Senden kurz hinhören, ob die Frequenz frei ist. Doppelsendungen (zwei Stationen senden gleichzeitig) blockieren den Kanal für alle.
  • "Verstanden" statt Readback: Bei Freigaben reicht "Verstanden" nicht. Nur ein korrekter Readback bestätigt, dass die Anweisung korrekt aufgenommen wurde.

Praktische Tipps für den Funkalltag

Vorbereitung ist alles: Schreiben Sie sich vor jedem Spruch Stichpunkte auf. Am Anfang ist es keine Schande, den kompletten Funkspruch vorher aufzuschreiben und abzulesen. Mit der Erfahrung wird dies überflüssig.

Zuhören lernen: Hören Sie LiveATC-Streams oder die realen Frequenzen während der Flugvorbereitung. Das Training des Ohrs ist mindestens so wichtig wie das Sprechtraining.

Die Struktur jedes Spruchs: Jeder Funkspruch folgt dem Schema: Wen rufe ich an + Wer bin ich + Was will ich. Bei der Antwort: Wer wird gerufen + Was ist die Anweisung/Information.

Im Zweifel fragen: "Say again" ist keine Schwäche, sondern professionelles Verhalten. Lieber einmal zu oft nachfragen als eine falsche Anweisung befolgen. ATC erwartet keine Perfektion von Privatpiloten — aber korrekte Readbacks und Befolgung der Anweisungen.

Sprechfunk ist eine Fertigkeit, die durch Übung kommt. Die anfängliche Nervosität weicht mit der Erfahrung einer routinierten Professionalität. Wer die Grundlagen sicher beherrscht, kann sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: sicher fliegen.

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