Flugwetter entschlüsseln: METAR-Codierung, TAF-Prognosen, SIGMET-Warnungen und praktische Wetterbeurteilung für VFR- und IFR-Piloten.
Flugwetter lesen und verstehen — METAR, TAF und SIGMET im Detail
Kein anderer Faktor beeinflusst die Flugplanung so grundlegend wie das Wetter. Für VFR-Piloten ist die Wetterbeurteilung eine der wichtigsten Fähigkeiten — ein strahlend blauer Himmel kann innerhalb einer Stunde einer geschlossenen Wolkendecke weichen. Die standardisierten Wettermeldungen METAR, TAF und SIGMET bilden das Rückgrat der Flugwetterinformation. Wer sie lesen und interpretieren kann, trifft bessere Entscheidungen und fliegt sicherer.
METAR — Die aktuelle Wettermeldung
METAR steht für Meteorological Aerodrome Report und ist eine standardisierte Wettermeldung, die an Flugplätzen mit Wetterbeobachtung in der Regel halbstündlich oder stündlich erstellt wird. Sie beschreibt das aktuelle Wetter zum Zeitpunkt der Beobachtung und ist typischerweise 30-60 Minuten gültig.
Ein METAR besteht aus einer festen Abfolge von Gruppen. Hier ein typisches Beispiel:
METAR EDDF 151520Z 24012G22KT 9999 FEW040 SCT080 BKN250 18/09 Q1023 NOSIG
Dieses METAR entschlüsseln wir Gruppe für Gruppe:
| Gruppe | Bedeutung | Erklärung |
|---|---|---|
| METAR | Meldungstyp | Routinemeldung (SPECI = Sondermeldung bei signifikanter Änderung) |
| EDDF | ICAO-Kennung | Frankfurt am Main |
| 151520Z | Datum/Uhrzeit | 15. des Monats, 15:20 UTC (Zulu) |
| 24012G22KT | Wind | Aus 240° (Südwest), 12 Knoten, Böen bis 22 Knoten |
| 9999 | Sicht | 10 km oder mehr (9999 = maximale Angabe) |
| FEW040 | Wolken | Wenig Bewölkung (1-2 Achtel) in 4000 ft AGL |
| SCT080 | Wolken | Aufgelockert (3-4 Achtel) in 8000 ft AGL |
| BKN250 | Wolken | Stark bewölkt (5-7 Achtel) in 25000 ft AGL |
| 18/09 | Temperatur/Taupunkt | 18 °C Temperatur, 9 °C Taupunkt (Spread: 9 °C) |
| Q1023 | QNH | Luftdruck auf Meeresniveau: 1023 hPa |
| NOSIG | Trend | Keine signifikante Änderung in den nächsten 2 Stunden |
Windgruppe im Detail
Die Windangabe folgt immer dem Schema: Richtung (3 Ziffern) + Stärke (2-3 Ziffern) + ggf. Böen + Einheit.
- VRB03KT: Variable Richtung, 3 Knoten (bei schwachem Wind unter 3 kt)
- 18008KT: Aus 180° (Süd), 8 Knoten, keine Böen
- 27015G28KT: Aus 270° (West), 15 Knoten, Böen bis 28 Knoten
- 24012KT 200V280: Hauptrichtung 240°, 12 Knoten, variiert zwischen 200° und 280°
Die Windrichtung bezieht sich im METAR immer auf wahre Nordrichtung (True North) — im Gegensatz zur Pistenbenennung, die sich auf magnetisch Nord bezieht.
Wolkengruppen entschlüsseln
Die Wolkenbedeckung wird in Achteln (Oktas) angegeben:
| Kürzel | Bedeutung | Achtel |
|---|---|---|
| SKC / CLR | Sky Clear | 0/8 |
| FEW | Few (wenig) | 1-2/8 |
| SCT | Scattered (aufgelockert) | 3-4/8 |
| BKN | Broken (stark bewölkt) | 5-7/8 |
| OVC | Overcast (bedeckt) | 8/8 |
Die Zahl hinter dem Kürzel gibt die Wolkenuntergrenze in Hundert Fuß AGL an. "SCT025" bedeutet: aufgelockerte Bewölkung in 2500 ft über Grund. Die Ceiling (Wolkendecke) ist die niedrigste Schicht mit BKN oder OVC — ein entscheidender Wert für die VFR-Beurteilung.
Zusätzliche Kennungen hinter der Wolkengruppe:
- CB: Cumulonimbus — Gewitterwolken, Warnung vor Turbulenzen, Hagel, Blitz
- TCU: Towering Cumulus — mächtige Quellwolken, Vorstufe zu CB
Wetterphänomene im METAR
Zwischen Sicht und Wolkengruppe können Wetterphänomene aufgeführt sein. Die wichtigsten Kürzel:
| Kürzel | Bedeutung | VFR-Relevanz |
|---|---|---|
| RA | Regen | Sichtminderung möglich |
| SN | Schnee | Erhebliche Sichtminderung |
| FG | Nebel (Sicht unter 1000 m) | VFR unmöglich |
| BR | Dunst (Sicht 1000-5000 m) | VFR eingeschränkt |
| HZ | Trockener Dunst | Sichtminderung, besonders bei tiefstehender Sonne |
| TS | Gewitter | VFR-Flug vermeiden |
| SH | Schauer | Lokale Sichtminderung |
| FZ | Gefrierend (Prefix) | Vereisung! FZRA/FZFG extrem gefährlich |
Intensitäts-Prefixe: - (leicht), ohne Prefix (mäßig), + (stark). Also: -RA = leichter Regen, +TSRA = starkes Gewitter mit Regen.
Temperatur-Taupunkt-Spread
Die Differenz zwischen Temperatur und Taupunkt (Spread) ist ein wesentlicher Indikator für die Nebelgefahr. Als Faustregel gilt:
- Spread über 10 °C: Geringe Nebelgefahr
- Spread 5-10 °C: Vorsicht am Abend/Morgen
- Spread unter 3 °C: Erhöhte Nebel-/Dunstgefahr
- Spread 0-1 °C: Nebel wahrscheinlich oder bereits vorhanden
Der Taupunkt sinkt pro 1000 ft Höhengewinn um etwa 0,5 °C, die Temperatur um etwa 2 °C. Daraus lässt sich die Kondensationshöhe (Wolkenuntergrenze) grob abschätzen: Spread geteilt durch 2,5 ergibt die Wolkenbasis in Tausend Fuß AGL. Bei einem Spread von 9 °C liegt die Wolkenbasis also bei rund 3600 ft AGL.
TAF — Die Vorhersage
TAF steht für Terminal Aerodrome Forecast — die Flugwettervorhersage für einen bestimmten Flugplatz. Ein TAF wird typischerweise alle 6 Stunden aktualisiert und hat eine Gültigkeitsdauer von 24 oder 30 Stunden.
TAF EDDM 150500Z 1506/1606 28008KT 9999 SCT030 BKN060
BECMG 1510/1512 18015G25KT 6000 -RA BKN020
TEMPO 1512/1518 3000 RA BKN010
PROB30 TEMPO 1514/1517 1500 +TSRA BKN008CB
BECMG 1520/1522 30010KT 9999 SCT040
Die Änderungsgruppen im TAF sind entscheidend:
| Gruppe | Bedeutung | Interpretation |
|---|---|---|
| BECMG 1510/1512 | Becoming | Graduelle Änderung zwischen 10:00 und 12:00 UTC am 15. |
| TEMPO 1512/1518 | Temporary | Vorübergehende Schwankungen zwischen 12:00 und 18:00 UTC, jeweils unter 60 Min. |
| FM151800 | From | Ab 18:00 UTC am 15. dauerhafte Änderung (neuer Baseline) |
| PROB30 | Probability 30% | 30 % Wahrscheinlichkeit (PROB40 = 40 %). PROB30 = unwahrscheinlich, PROB40 = möglich. |
Beim Lesen eines TAF ist der TEMPO-Gruppe besondere Aufmerksamkeit zu widmen: Sie beschreibt Bedingungen, die vorübergehend auftreten können und jeweils weniger als eine Stunde andauern. Für die Flugplanung bedeutet TEMPO: Sie müssen mit diesen Bedingungen rechnen, auch wenn sie nicht den Normalzustand darstellen.
TAF richtig interpretieren für VFR
Ein TAF ist für VFR-Piloten dann relevant, wenn er Bedingungen prognostiziert, die unter die VFR-Minima fallen. Kritische Werte sind:
- Sicht unter 5 km (Klasse C/D/E) bzw. unter 1,5 km (Klasse G)
- Ceiling (BKN/OVC) unter der Mindestflughöhe — typischerweise unter 1500-2000 ft AGL
- Gewitter (TS, CB) — selbst bei PROB30 ein Grund zur Vorsicht
- Vereisung (FZ) — für nicht enteisungsfähige Flugzeuge ein No-Go
Faustregel: Wenn ein TEMPO oder PROB40-Wert unter Ihre persönlichen VFR-Minima fällt, planen Sie einen Alternate-Flugplatz oder verschieben den Flug. Ein PROB30 TS ist statistisch gering, aber ein Gewitter ist kein Risiko, das man eingeht.
SIGMET — Die Warnung vor Gefahrenwetter
SIGMET steht für Significant Meteorological Information und warnt vor Wetterphänomenen, die eine ernste Gefahr für den Flugverkehr darstellen. SIGMETs werden von den meteorologischen Überwachungsstellen (MWO — Meteorological Watch Office) ausgegeben.
Es gibt drei Typen:
| Typ | Kürzel | Gefahren |
|---|---|---|
| Normales SIGMET | WS | Schwere Turbulenzen, Vereisung, Gebirgswellen, Staubstürme, Gewitter |
| Convective SIGMET | WST | Eingebettete CB, Squall Lines, schwere Gewitteraktivität |
| Volcanic Ash SIGMET | WV | Vulkanasche in der Atmosphäre (auch für DACH relevant bei isländischen Eruptionen) |
Ein SIGMET enthält das betroffene Gebiet (als Koordinatenpolygon oder FIR-Bezeichnung), die Art der Gefahr, die betroffenen Höhen und die erwartete Entwicklung (INTSFYG = intensivierend, WKN = abschwächend, STNR = stationär, MOV = bewegend mit Richtung und Geschwindigkeit).
Für VFR-Piloten gilt: Ein aktives SIGMET im geplanten Fluggebiet ist ein starkes Argument gegen den Flug. Die beschriebenen Phänomene übersteigen die Fähigkeiten der meisten Privatpiloten und die Leistungsgrenzen einmotoriger Kolbenflugzeuge.
AIRMET — Die kleine Schwester des SIGMET
AIRMETs warnen vor Wetterphänomenen, die für die Allgemeine Luftfahrt (unterhalb FL100) gefährlich sein können, aber nicht die SIGMET-Schwelle erreichen. Typische AIRMET-Inhalte:
- Mäßige Turbulenzen
- Mäßige Vereisung
- Ausgedehnte Gebiete mit Sicht unter 5 km
- Ausgedehntes BKN/OVC unter 1000 ft AGL
- Mäßige Gebirgswellen
AIRMETs sind für VFR-Piloten oft relevanter als SIGMETs, da sie genau die Höhenbänder und Wetterphänomene abdecken, in denen sich die Allgemeine Luftfahrt bewegt.
Wetterinformationsquellen im DACH-Raum
Zuverlässige Wetterinformationen sind der Grundstein jeder Flugvorbereitung. Die wichtigsten Quellen:
| Quelle | Land | Angebot |
|---|---|---|
| DWD (Flugwetter.de) | Deutschland | GAFOR, METAR, TAF, Niederschlagsradar, Windkarten, Selfbriefing |
| Austro Control (DABS) | Österreich | Digitales AIS und Briefing System mit integrierten Wetterdaten |
| MeteoSwiss / Skyguide | Schweiz | Flugwetter, METAR/TAF, Alpenspezifische Vorhersagen |
| EUROCONTROL EAD | Europa | Zentrales Briefing-System für europaweite Wetter- und NOTAM-Information |
GAFOR — Sichtflugwettervorhersage für Deutschland
Eine deutsche Besonderheit ist der GAFOR (General Aviation Forecast). Er teilt Deutschland in nummerierte Gebiete ein und gibt für jedes Gebiet eine Einstufung der Flugbedingungen:
- O (Oscar): Open — VFR ohne Einschränkungen (Sicht >8 km, Ceiling >2000 ft)
- D (Delta): Difficult — Eingeschränktes VFR (Sicht 5-8 km oder Ceiling 1500-2000 ft)
- M (Mike): Marginal — Grenzwertiges VFR (Sicht 1,5-5 km oder Ceiling 500-1500 ft)
- X (X-Ray): Closed — VFR nicht möglich (Sicht <1,5 km oder Ceiling <500 ft)
Der GAFOR ist ein schneller Überblick über die VFR-Tauglichkeit entlang einer geplanten Route. Er ersetzt nicht die detaillierte METAR/TAF-Analyse, ist aber ein wertvolles Planungswerkzeug.
Praktische Wetterbeurteilung für einen VFR-Flug
Eine strukturierte Wetterbeurteilung vor dem Flug folgt diesem Schema:
- Schritt 1: Großwetterlage prüfen — Frontensysteme, Druckgebiete, Wettertrend
- Schritt 2: GAFOR abrufen — schnelle Go/No-Go-Entscheidung für die Route
- Schritt 3: METAR von Abflug-, Ziel- und Ausweichflugplatz lesen
- Schritt 4: TAF von Abflug-, Ziel- und Ausweichflugplatz prüfen — Fokus auf Trend und TEMPO-Gruppen
- Schritt 5: SIGMET/AIRMET für die FIR prüfen
- Schritt 6: Windkarten für die geplante Flughöhe analysieren
- Schritt 7: Niederschlagsradar aktuell und Vorhersage prüfen
- Schritt 8: Persönliche Minima festlegen und mit den Daten abgleichen
Die Fähigkeit, Wetterdaten zu lesen und richtig einzuordnen, wächst mit der Erfahrung. Setzen Sie sich als Anfänger konservativere persönliche Minima als die gesetzlich geforderten — zum Beispiel 8 km Sicht statt 5 km, und Ceiling über 3000 ft statt der gesetzlichen Minimalwerte. Diese Sicherheitsreserve wächst mit zunehmender Erfahrung und Kompetenz in die gesetzlichen Werte hinein, nicht umgekehrt.