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Flugplanung von A bis Z — NOTAM, AIP, Kraftstoffberechnung - Aircraft-Wissen

Flugplanung von A bis Z — NOTAM, AIP, Kraftstoffberechnung

Einen Flug korrekt planen: Von der Routenplanung über NOTAMs und AIP-Einträge bis zur exakten Kraftstoffberechnung mit Reserve.

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Flugplanung von A bis Z — NOTAM, AIP, Kraftstoffberechnung - Aircraft-Wissen
Flugplanung NOTAM Navigation Kraftstoff

Einen Flug korrekt planen: Von der Routenplanung über NOTAMs und AIP-Einträge bis zur exakten Kraftstoffberechnung mit Reserve.

Flugplanung für VFR-Piloten — Vom leeren Blatt zum sicheren Flug

Eine gründliche Flugplanung ist kein bürokratischer Akt, den man schnell hinter sich bringt. Sie ist der Moment, in dem ein Pilot die Bedingungen eines geplanten Fluges analysiert, Risiken identifiziert und Entscheidungen trifft — bevor der Motor läuft. Die meisten Unfälle in der Allgemeinen Luftfahrt haben ihre Wurzeln nicht im Cockpit, sondern in der mangelhaften Vorbereitung am Boden. Dieser Artikel führt systematisch durch alle Elemente einer VFR-Flugplanung nach EASA-Standards.

Der VFR-Flugplan — Wann und warum?

Ein VFR-Flugplan (ICAO-Formular) ist in der DACH-Region nicht für jeden Flug vorgeschrieben, aber in bestimmten Situationen Pflicht:

  • Grenzüberschreitende Flüge: Bei Flügen, die eine FIR-Grenze überschreiten (z. B. Deutschland nach Österreich)
  • Einflug in Klasse C oder D Lufträume: Manche CTRs verlangen einen aufgegebenen Flugplan
  • Flüge über See oder unwegsamem Gelände: Empfohlen als Sicherheitsnetz für den Such- und Rettungsdienst (SAR)
  • Nachtflüge (NVFR): In vielen DACH-Ländern vorgeschrieben

Auch wenn kein Flugplan formal nötig ist, muss die Flugvorbereitung nach Luftverkehrsordnung (LuftVO § 3a) durchgeführt werden. Diese umfasst: Wetter, NOTAMs, Kraftstoff, Ausweichflugplätze, Pistenlängen und alle relevanten Informationen des Luftfahrthandbuchs (AIP).

AIP — Das Luftfahrthandbuch

Das AIP (Aeronautical Information Publication) ist das offizielle Nachschlagewerk für die Luftfahrt. Jeder Staat veröffentlicht sein eigenes AIP, in Deutschland herausgegeben von der DFS (Deutsche Flugsicherung). Das AIP gliedert sich in drei Teile:

Teil Bezeichnung Relevante Inhalte für VFR
GEN (General) Allgemeine Informationen Zuständige Behörden, Abkürzungen, Gebührenordnung, Zeitzonen
ENR (En-Route) Streckeninformation Luftraumstruktur, Flugbeschränkungsgebiete, VFR-Routen, Navigationsanlagen
AD (Aerodrome) Flugplatzinformationen Alle Infos zu einzelnen Flugplätzen

Der AD-Teil ist für die Flugplanung besonders wichtig. Für jeden Flugplatz finden Sie hier:

  • AD 2.1: Standort (Koordinaten, Elevation, Bezugspunkt)
  • AD 2.2: Betriebszeiten, Zoll, Immigration
  • AD 2.3: Betriebliche Dienste (Wetterbeobachtung, ATC, Betriebsarten)
  • AD 2.10: Hindernisse im An-/Abflugbereich
  • AD 2.12: Pistendaten (Länge, Breite, Belag, Tragfähigkeit, Schwellenerhöhung)
  • AD 2.13: Anflugbefeuerung
  • AD 2.17: Luftraumstruktur um den Platz
  • AD 2.22: Flugverfahren (Platzrunde, Mindesthöhen, Lärmschutz)
  • AD 2.24: Anflugkarten und Platzskizzen

In Österreich ist das AIP über Austro Control zugänglich, in der Schweiz über Skyguide. Digitale Zugriffe sind über die jeweiligen AIS-Portale möglich — und mittlerweile auch über kommerzielle Apps wie SkyDemon oder ForeFlight, die AIP-Daten integrieren.

NOTAMs — Aktuelle Änderungen und Einschränkungen

NOTAM steht für Notice to Airmen (seit 2021 offiziell: Notice to Air Missions) und enthält zeitkritische Informationen, die nicht in der regulären AIP-Publikation enthalten sind. NOTAMs können Pistengesperrungen, temporäre Luftraumbeschränkungen, Ausfall von Navigationsanlagen oder Änderungen von Betriebszeiten betreffen.

Ein NOTAM folgt einem standardisierten Format mit Q-Line und den Feldern A bis G:

A0123/26 NOTAMN
Q) EDGG/QMRLC/IV/NBO/A/000/999/4950N00832E005
A) EDDS
B) 2603150600
C) 2603151800
D) 0600-1800
E) RWY 07/25 CLSD DUE TO MAINTENANCE
F) GND
G) 999FT AMSL

Die Felder im Detail:

Feld Bezeichnung Im Beispiel
Q-Line Qualifier (FIR, Subject, Scope) EDGG FIR, Runway Closure, IFR/VFR, Notification, Flugplatz
A Betroffener Ort (ICAO-Kennung) EDDS (Stuttgart)
B Beginn (Datum/Uhrzeit UTC) 15. März 2026, 06:00 UTC
C Ende (Datum/Uhrzeit UTC oder PERM) 15. März 2026, 18:00 UTC
D Zeitschema (tägliche Aktivierung) 06:00-18:00 UTC
E Klartext-Beschreibung Piste 07/25 gesperrt wegen Wartung
F Untere Grenze Grund (GND)
G Obere Grenze 999 ft AMSL

NOTAMs abrufen können Sie über:

  • DFS AIS Portal: www.notams.dfs.de (Deutschland)
  • Austro Control DABS: Digitales AIS und Briefing System (Österreich)
  • Skyguide DABS: (Schweiz)
  • EUROCONTROL EAD: Europaweites NOTAM-Briefing
  • Kommerzielle Apps: SkyDemon, ForeFlight — integrierte NOTAM-Darstellung
Tipp: Lesen Sie NOTAMs nicht nur für Abflug- und Zielflugplatz, sondern auch für Ihre Ausweichflugplätze und die gesamte Flugstrecke. Ein temporäres ED-R auf der geplanten Route kann den Flug erheblich verlängern.

ICAO-Karten lesen und Route planen

Die ICAO-Karte 1:500.000 ist das primäre Navigationswerkzeug für VFR-Piloten. In Deutschland gibt es acht Blätter, die den gesamten Luftraum abdecken. Die Karte zeigt:

  • Luftraumgrenzen: Klasse C, D, E mit Ober- und Untergrenzen
  • Sondergebiete: ED-R, ED-D, TMZ, RMZ
  • Flugplätze: Kontrolliert, unkontrolliert, Sonderlandeplätze
  • Navigationsanlagen: VOR, NDB, DVOR/DME
  • Hindernisse: Türme, Windkraftanlagen, Schornsteine über 100 m AGL
  • Topographie: Höhenlinien, Geländeerhöhungen, markante Punkte
  • Pflichtmeldepunkte: Für die Anflugkommunikation

Die Routenplanung erfolgt in folgenden Schritten:

  • Direktkurs (True Track): Großkreislinie zwischen den Wegpunkten auf der Karte messen
  • Missweisende Kursberechnung: Magnetische Deklination (Variation) berücksichtigen. In der DACH-Region liegt die Variation aktuell bei ca. 2-4° Ost.
  • Checkpoints festlegen: Markante Geländepunkte entlang der Route (Seen, Autobahnen, Städte, Funkmasten) im Abstand von 10-15 NM
  • Entfernungen messen: Zwischen allen Wegpunkten, für die ETA-Berechnung
  • Sicherheitsmindesthöhen festlegen: Mindestens 1000 ft AGL über Hindernissen, 2000 ft über besiedeltem Gebiet

Das Wind-Dreieck — Kurskorrektur für den Wind

Der Wind beeinflusst sowohl den Kurs über Grund (Track) als auch die Geschwindigkeit über Grund (Ground Speed). Das Wind-Dreieck verbindet drei Vektoren:

  • Heading + TAS: Wo das Flugzeug hinfliegt und wie schnell (relativ zur Luft)
  • Wind Direction + Speed: Woher und wie stark der Wind bläst
  • Track + Ground Speed: Wo das Flugzeug tatsächlich über Grund fliegt

Die Berechnung erfolgt grafisch (Navigation Plotter auf der Karte), rechnerisch (Formeln oder E6B-Rechner) oder elektronisch (Flugplanungssoftware). Das Ergebnis liefert:

  • Wind Correction Angle (WCA): Wie viel Grad der Kurs zum Wind hin korrigiert werden muss
  • Ground Speed: Tatsächliche Geschwindigkeit über Grund — entscheidend für die Zeitberechnung
  • Heading: Der zu fliegende Steuerkurs (magnetisch)

Bei typischen Windgeschwindigkeiten in der DACH-Region (15-30 kt in Reiseflughöhe) kann der WCA leicht 5-15° betragen. Bei Gegenwind reduziert sich die Ground Speed erheblich, was direkt den Kraftstoffbedarf beeinflusst.

Kraftstoffberechnung — Das Überlebensthema

Die Kraftstoffberechnung ist einer der kritischsten Teile der Flugplanung. Treibstoffmangel ist eine der häufigsten Unfallursachen in der Allgemeinen Luftfahrt — und eine komplett vermeidbare. Die EASA Part-NCO schreibt für VFR-Flüge folgende Mindestmengen vor:

Komponente Beschreibung Berechnung
Taxi Fuel Rollen am Abflugplatz Ca. 1-3 Liter (platztypisch)
Trip Fuel Kraftstoff für die geplante Strecke Flugzeit × Verbrauch pro Stunde
Reserve (Contingency) Unvorhergesehenes (Umwege, Wartezeiten) 5-10 % des Trip Fuel
Alternate Fuel Kraftstoff zum Ausweichflugplatz Strecke Ziel → Alternate × Verbrauch
Final Reserve Gesetzliche Endreserve 45 Minuten bei VFR (bei normalem Reiseverbrauch)

Ein konkretes Rechenbeispiel für eine Cessna 172 (Verbrauch ca. 36 l/h AVGAS):

Position Zeit Kraftstoff
Taxi 5 min 3 Liter
Trip (EDDS → EDDN, ca. 1:15h) 75 min 45 Liter
Contingency (10 %) 8 min 5 Liter
Alternate (EDDN → EDQM, ca. 20 min) 20 min 12 Liter
Final Reserve (45 min) 45 min 27 Liter
Minimum benötigt 2:33h 92 Liter

Die Cessna 172 hat Tanks für ca. 200 Liter (davon 189 Liter nutzbar). In diesem Beispiel wäre der Kraftstoff kein Problem. Aber bei längeren Strecken, Gegenwind oder Flugzeugen mit kleineren Tanks kann die Rechnung schnell eng werden.

Die 45-Minuten-Reserve ist heilig. Sie darf nicht angetastet werden — auch nicht "ein bisschen". Wer mit weniger als 45 Minuten Reserve landet, hat die Vorschrift verletzt und einen Unfallbericht riskiert. Planen Sie großzügig.

Mass & Balance — Schwerpunkt und Zuladung

Jedes Flugzeug hat definierte Grenzmassen und einen zulässigen Schwerpunktbereich. Die Mass-and-Balance-Berechnung stellt sicher, dass beides eingehalten wird. Die Berechnung folgt dem Schema:

  • Leermasse (Basic Empty Weight): Aus dem Wägungsbericht des Flugzeugs
  • + Piloten und Passagiere: Tatsächliche Gewichte, nicht "Standardgewichte"
  • + Gepäck: Maximalzuladung beachten (oft 50-60 kg im Gepäckfach)
  • + Kraftstoff: Betankungsmenge in Kilogramm (AVGAS: 1 Liter = 0,72 kg)
  • = Abflugmasse (Take-Off Mass): Muss unter MTOM liegen

Für die Schwerpunktberechnung wird jede Masse mit ihrem Hebelarm multipliziert, die Summe der Momente durch die Gesamtmasse geteilt. Das Ergebnis muss innerhalb der im Flughandbuch definierten vorderen und hinteren Schwerpunktgrenzen liegen.

Typische Fehler bei Mass & Balance:

  • Standardgewichte für Passagiere verwenden (70 kg), obwohl der Passagier 100 kg wiegt
  • Gepäck nicht wiegen, sondern schätzen
  • Kraftstoffgewicht falsch berechnen (Liter statt Kilogramm verwenden)
  • Berechnung nur für den Abflug machen, nicht für die Landung (Schwerpunkt verschiebt sich durch Kraftstoffverbrauch)

Den VFR-Flugplan aufgeben

Wenn ein Flugplan erforderlich oder gewünscht ist, wird er mindestens 60 Minuten vor dem geplanten Abflug aufgegeben (bei grenzüberschreitenden Flügen empfohlen: 3 Stunden). Die Aufgabe erfolgt über:

  • Telefonisch beim ARO (AIS/ATS Reporting Office)
  • Online über das DFS-Portal oder DABS
  • Per App: SkyDemon und ähnliche bieten integrierte Flugplanaufgabe

Der VFR-Flugplan enthält unter anderem: Luftfahrzeugkennung, Flugregeln (V für VFR), Abflugplatz, geplante Abflugzeit (EOBT), Reisegeschwindigkeit, Route, Zielflugplatz, geschätzte Flugzeit, Ausweichflugplatz, Autonomie (Kraftstoff in Stunden), Personenanzahl und Ausrüstung (Transponder, ELT, etc.).

Nach der Landung muss der Flugplan geschlossen werden — telefonisch oder automatisch über ATC. Ein vergessener offener Flugplan löst nach Ablauf der geschätzten Flugzeit plus 30 Minuten den SAR-Alarm (Search and Rescue) aus. Dies verursacht erhebliche Kosten und bindet Rettungsressourcen.

Die Flugplanungstabelle — Das Kniebrettformat

Ein gut vorbereitetes Navigationslog (Kniebrettformat) enthält für jeden Streckenabschnitt:

Spalte Inhalt
CheckpointName/Beschreibung des Wegpunkts
Track (TC/MC)True Course und Magnetic Course
DistanceEntfernung zum nächsten Checkpoint (NM)
WindRichtung und Stärke für die Flughöhe
Heading (MH)Zu fliegender Steuerkurs (magnetisch)
Ground SpeedGeschwindigkeit über Grund
ETEEstimated Time Enroute (für den Abschnitt)
ETAEstimated Time of Arrival (kumulativ)
ATAActual Time of Arrival (während des Fluges eintragen)
AltitudeGeplante Flughöhe (MSL)
FrequencyZuständige Frequenz für den Abschnitt

Dieses Log wird im Flug am Kniebrett mitgeführt und mit den tatsächlichen Überflugzeiten ergänzt. Die Differenz zwischen ETA und ATA zeigt, ob der Wind-Forecast korrekt war, und ermöglicht eine Korrektur der Ground Speed und Kraftstoffberechnung für den restlichen Flug.

Checkliste vor dem Abflug

Eine vollständige Flugvorbereitung prüft folgende Punkte ab:

  • Wetter: METAR, TAF, GAFOR, SIGMET/AIRMET geprüft
  • NOTAMs: Abflug, Ziel, Alternates und Strecke gelesen
  • AIP: Flugplatzinformationen aktuell, Verfahren bekannt
  • Route: Auf der Karte eingezeichnet, Checkpoints definiert
  • Wind-Dreieck: Headings und Ground Speeds berechnet
  • Kraftstoff: Berechnung durchgeführt, ausreichend Kraftstoff an Bord
  • Mass & Balance: Innerhalb der Limits
  • Pistenlänge: Ausreichend für Start bei aktueller Dichtehöhe und Masse
  • Flugplan: Aufgegeben (wenn erforderlich)
  • Dokumente: Lizenz, Medical, Flugbuch, Bordbuch, Versicherungsnachweis, Kennblatt

Eine sorgfältige Flugplanung kostet 30-60 Minuten am Boden. Sie kann Stunden in der Luft sparen — und im Ernstfall das Leben retten. Nehmen Sie sich diese Zeit. Jedes Mal.

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