Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Haus ohne Gutachter. Niemand würde das tun. Beim Flugzeugkauf passiert es trotzdem — manche Käufer verlassen sich auf das Wort des Verkäufers, eine Fotosammlung oder einen flüchtigen Blick. Das ist kein Mut — es ist Fahrlässigkeit. Die Pre-Buy Inspection ist nicht optional.
Was ist eine Pre-Buy Inspection?
Eine Pre-Buy Inspection (PBI) ist eine umfassende technische Prüfung eines Flugzeugs durch einen unabhängigen, autorisierten Wartungsbetrieb — durchgeführt im Auftrag des potenziellen Käufers, bezahlt vom Käufer, berichtet an den Käufer. Sie deckt technische Mängel auf, bewertet den Wartungszustand und gibt eine fundierte Einschätzung des tatsächlichen Zustands des Flugzeugs.
Was wird bei einer PBI untersucht?
Typische Inhalte einer vollständigen Pre-Buy Inspection
- Dokumentenprüfung: Airworthiness Certificate, Logbooks (Airframe, Engine, Propeller/APU), Maintenance Records, AD-Compliance-Liste, Service-Bulletin-Status
- Strukturelle Inspektion: Corrosion-Check, Strukturschäden (Hail, Vogelschlag, Hard Landing), Spannteninspektion
- Triebwerk(e): Borescope-Inspektion (Kamerasonde in Triebwerk), Ölanalyse (SOAP), Kompressionstest (bei Kolben), Stunden-Status relativ zu TBO
- Fahrwerk: Reifenzustand, Bremsendicke, Stoßdämpfer-Status, Fahrwerksmechanik
- Avionik: Funktionstest aller Systeme, Transponder-Zertifizierung, ADS-B-Konformität, Datenbank-Aktualität
- Hydraulik, Klima, Druckkabine: Dichtheitsprüfung, Systemfunktion
- Probeflug: Alle Flugeigenschaften, Triebwerksperformance, Avionik-Funktion im Flug
Was kostet eine Pre-Buy Inspection?
Kosten nach Flugzeugkategorie (Schätzwerte)
- Single-Engine Piston (Cirrus SR22, Cessna 182): 800 – 2.500 EUR
- Multi-Engine Piston / Light Turboprop: 2.000 – 5.000 EUR
- Single-Engine Turboprop (PC-12, TBM): 3.000 – 8.000 EUR
- Light Jet (Phenom 100, Citation M2): 5.000 – 15.000 EUR
- Midsize bis Large Cabin Jet: 12.000 – 35.000 EUR
- Ultra Long Range Jet: 25.000 – 60.000 EUR
Die PBI-Kosten sind immer deutlich geringer als die Kosten versteckter Mängel nach dem Kauf.
Den richtigen Inspektor finden
Für EASA-registrierte Flugzeuge muss der Inspektor ein zugelassener Part-145-Betrieb sein (EASA-anerkannte Maintenance Organization). Für das spezifische Flugzeugmuster sollten Sie möglichst einen Typ-erfahrenen Betrieb wählen:
Nach der PBI: Entscheidungsmatrix
Der Inspektionsbericht enthält typischerweise drei Kategorien von Befunden:
Eine Pre-Buy Inspection ist nicht der Versuch, ein Flugzeug schlecht zu reden — sie ist der professionelle Weg, einen fairen Preis für den tatsächlichen Zustand zu ermitteln. Gut gewartete Flugzeuge bestehen PBIs mit nur wenigen Befunden. Problemflugzeuge werden entlarvt.
Auf Airvalon gilt: Jedes gelistete Flugzeug muss eine Wartungshistorie und den letzten ARC (Airworthiness Review Certificate) vorweisen. Eine PBI organisieren wir auf Wunsch über unser Partner-Netzwerk zertifizierter Part-145-Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.