Ein Flugzeug kaufen und damit Geld verdienen — das ist der Wunsch mancher Käufer. Die Realität ist nuancierter: Flugzeuge sind in der Regel keine klassischen Kapitalanlagen, aber unter bestimmten Bedingungen können sie steuerlich attraktiv sein und ihren Wert überraschend gut halten. Es kommt auf das Modell, den Markt und die Strategie an.
Der Wertverlust — Zahlen statt Mythen
Grundsatz: Flugzeuge verlieren an Wert. Wie schnell, hängt stark vom Segment ab:
Typische Wertverlustkurven nach Segment
| Segment | Jahr 1 | Jahr 5 | Jahr 10 |
|---|---|---|---|
| Very Light Jet (Cirrus SF50) | −8 % | −28 % | −45 % |
| Light Jet (Phenom 100) | −10 % | −35 % | −55 % |
| Midsize Jet (Citation Latitude) | −8 % | −30 % | −52 % |
| Large Cabin (Global 6500) | −6 % | −22 % | −40 % |
| Turboprop (TBM 960) | −5 % | −18 % | −32 % |
| High-Perf. Piston (Cirrus SR22T) | −7 % | −25 % | −42 % |
Werte sind Marktdurchschnitte — individuell abhängig von Pflege, Stunden, Avionik-Stand und Marktlage.
Interessant: Turboprops wie die TBM-Serie (Daher) oder der Pilatus PC-12 halten ihren Wert historisch besser als Jets im gleichen Preissegment. Das liegt an ihrer Vielseitigkeit (können kürzere Pisten nutzen, niedrigere Betriebskosten) und einer treuen Käufergemeinschaft.
Wertsteigernde und -mindernde Faktoren
Steuerliche Aspekte — Deutschland, Österreich, Schweiz
Für Unternehmen kann ein Firmenflugzeug steuerlich attraktiv sein — unter bestimmten Voraussetzungen:
Steuerliche Grundsätze (Deutschland)
- Betriebliche Nutzung: Bei überwiegend betrieblicher Nutzung kann das Flugzeug als Betriebsvermögen aktiviert und über 6–10 Jahre abgeschrieben werden
- Vorsteuerabzug (MwSt.): Möglich bei unternehmerischer Nutzung — Bedingung: Flug dient nachweislich betrieblichen Zwecken
- Private Nutzung: Muss als geldwerter Vorteil versteuert werden (ähnlich Dienstwagen-Regelung)
- Verluste aus Charter-Rückführung: Können mit betrieblichem Gewinn verrechnet werden — nur wenn die Chartertätigkeit als echte Einkunftsquelle gilt ("Gewinnerzielungsabsicht")
Charter-Rückführung als Wertstrategie
Eine verbreitete Strategie: Das eigene Flugzeug wird in charter-freien Zeiten durch einen Charter-Operator (mit AOC) vermietet. Das reduziert die Fixkostenlast um 20–40 % pro Jahr. Die Haken:
Ein Flugzeug als reine Kapitalanlage zu kaufen ist keine gute Strategie — dafür sind die laufenden Kosten zu hoch und der Wertverlust zu sicher. Als Werkzeug für ein Unternehmen mit echter betrieblicher Nutzung, kombiniert mit cleverer Steuergestaltung und optionaler Charter-Rückführung, kann ein Flugzeug jedoch wirtschaftlich sinnvoll sein.
Die ehrlichste Antwort auf die Investitions-Frage: Ein Flugzeug ist dann ein gutes Investment, wenn es Ihnen Zeit spart — und Zeit ist für Unternehmer der knappste aller Rohstoffe.