Ein Business Jet für 20 Millionen Euro — bar bezahlt von einer Privatperson oder einem Unternehmen. Das kommt vor, ist aber die Ausnahme. Die meisten Käufer nutzen Fremdkapital: Leasing, Bankfinanzierung oder spezialisierte Aviation-Finance-Produkte. Jede Option hat ihre Logik — und ihre Fallstricke.
Eigenkapital — die einfachste, aber seltenste Option
Wer bar zahlt, hat die stärkste Verhandlungsposition und die einfachste Eigentumsstruktur. Kein Kreditrisiko, keine Zinsbelastung, kein Lender, der mitreden will. Nachteil: Kapital ist gebunden und kann nicht anderweitig investiert werden. Für Unternehmen kann das aus Liquiditätssicht ungünstig sein — besonders wenn das Geld im Kerngeschäft höhere Renditen bringt als die Steuerersparnis durch Abschreibung des Flugzeugs.
Bankdarlehen — der klassische Weg
Spezialisierte Aviation-Finance-Banken und einige Universalbanken finanzieren Flugzeuge mit strukturierten Darlehen. Typische Konditionen:
Typische Finanzierungsstruktur (Business Jet, 2024)
- Eigenkapitalanteil: 20–35 % des Kaufpreises
- Laufzeit: 7–15 Jahre (je nach Flugzeugalter und -typ)
- Zinssatz: EURIBOR + 2,5–4,5 % (variabel) oder Festzins nach Verhandlung
- Sicherheiten: Pfandrecht am Flugzeug (Aircraft Mortgage), teilweise persönliche Bürgschaft
- Tilgung: Annuität oder Balloon-Payment (niedrige Raten + Restschuld am Ende)
Spezialisierte Aviation-Banken in Europa: NORD/LB (traditionell stark im Aviation-Bereich), Norddeutsche Landesbank, sowie internationale Anbieter wie SMBC Aviation Capital, Air Lease Corporation (primär für Commercial Aviation) und spezialisierte Private-Banking-Abteilungen großer Privatbanken.
Operating Lease — Nutzung ohne Eigentum
Beim Operating Lease mieten Sie das Flugzeug für eine definierte Laufzeit (typisch 3–7 Jahre). Am Ende der Laufzeit geht das Flugzeug zurück an den Lessor — Sie haben kein Residualwert-Risiko. Das ist besonders attraktiv in einem Markt mit unsicherer Wertentwicklung.
Finance Lease — der Mittelweg
Beim Finance Lease (auch Capital Lease) zahlen Sie monatliche Leasingraten wie beim Operating Lease — aber am Ende der Laufzeit haben Sie eine Kaufoption zum Restwert (oft 1–15 % des ursprünglichen Kaufpreises). Das kombiniert steuerliche Vorteile des Leasings mit dem wirtschaftlichen Eigentum.
Worauf Lender besonders achten
Aviation-Finanzierer haben spezifische Anforderungen, die private Immobilienfinanzierer nicht stellen:
Die optimale Finanzierungsstruktur hängt von Ihrer steuerlichen Situation, dem Kapitalmarktzinsniveau, dem Flugzeugtyp und Ihrer geplanten Haltedauer ab. Es gibt keine universell richtige Antwort — aber es gibt definitiv falsche Entscheidungen: zu wenig Eigenkapital, zu kurze Laufzeit bei Balloon-Struktur, kein Restwertpuffer.
Airvalon vermittelt auf Anfrage Kontakte zu spezialisierten Aviation-Finance-Experten in Deutschland, Österreich und der Schweiz — unabhängige Berater, die keine Bankprodukte verkaufen.