Simulatorstunden in der Pilotenausbildung: FNPT, BITD, FTD — welche Geräte für welche Ausbildungsabschnitte anerkannt werden und was das für Flugschüler bedeutet.
Flugsimulation als Ausbildungstool — was anerkannt wird und was nicht
Die Grenze zwischen Hobby-Flugsimulation und professionellem Training verschwimmt zunehmend. Ein moderner Desktop-Simulator mit Premium-Add-ons bildet Bordsysteme, Navigation und Flugverfahren mit einer Detailtreue ab, die vor 20 Jahren professionellen Geräten vorbehalten war. Doch was davon erkennt die Luftfahrtbehörde tatsächlich an? Welche Simulatorstunden zählen für die Lizenz, und was bleibt ein reines Übungsinstrument ohne formale Anerkennung? Dieser Artikel klärt die regulatorischen Fakten, beleuchtet die verschiedenen EASA-Simulatorkategorien und zeigt, wie der Heimsimulator trotz fehlender Anrechenbarkeit ein wertvolles Ausbildungswerkzeug sein kann.
Die EASA-Systematik: FSTD — Flight Simulation Training Devices
Die EASA (European Union Aviation Safety Agency) klassifiziert alle zugelassenen Simulationsgeräte unter dem Oberbegriff FSTD (Flight Simulation Training Device). Die Klassifikation ist in der CS-FSTD(A) für Flächenflugzeuge und CS-FSTD(H) für Hubschrauber festgelegt. Innerhalb dieses Systems gibt es vier Hauptkategorien, die sich in Komplexität, Kosten und Anrechenbarkeit fundamental unterscheiden:
| Kategorie | Beschreibung | Stufen | Typischer Preis |
|---|---|---|---|
| FFS (Full Flight Simulator) | Vollsimulator mit Motion und Vollsichtsystem | Level A, B, C, D | 15–25 Mio. € |
| FTD (Flight Training Device) | Cockpitnachbau ohne Motion, mit/ohne Sichtsystem | Level 1, 2, 3 | 500.000–5 Mio. € |
| FNPT (Flight and Navigation Procedures Trainer) | Verfahrenstrainer mit Instrumentendarstellung | I, II, III (MCC) | 50.000–500.000 € |
| BITD (Basic Instrument Training Device) | Einfaches Instrument-Trainingsgerät | — | 10.000–50.000 € |
FFS — Full Flight Simulator (Level A bis D)
Der Full Flight Simulator ist das Flaggschiff unter den Trainingsgeräten. Ein Level-D-FFS bietet die höchste Qualifikationsstufe mit 6-DOF-Motion, hochauflösendem Sichtsystem und vollständiger Cockpit-Nachbildung. In einem Level-D-Simulator kann eine komplette Type Rating (Musterberechtigung) ohne einen einzigen echten Flug erworben werden — das sogenannte Zero Flight Time Training (ZFT).
FFS Level C und D werden für das Recurrent Training (jährliche Auffrischung) aller Linienpiloten verwendet. Jeder Verkehrspilot muss regelmäßig im Simulator seine Fähigkeiten nachweisen — inklusive Notverfahren, die im echten Flugzeug niemals trainiert werden könnten. Die Stunde im FFS Level D kostet extern 500–800 Euro.
FTD — Flight Training Device (Level 1 bis 3)
Ein FTD ist ein Cockpitnachbau des spezifischen Flugzeugtyps, aber ohne Bewegungssystem (oder mit eingeschränktem Motion). Das visuelle System kann vorhanden sein, muss aber nicht die Anforderungen eines FFS erfüllen.
- FTD Level 1: Einfacher Cockpitnachbau, ausreichend für Procedures Training
- FTD Level 2: Vollständiges Cockpit mit funktionalen Systemen, visuelles System, geeignet für bestimmte Ausbildungsabschnitte
- FTD Level 3: Höchste FTD-Stufe, geschlossenes Cockpit, kann für bestimmte Type-Rating-Abschnitte eingesetzt werden
FTDs werden häufig für das anfängliche Type-Rating-Training eingesetzt — die Piloten lernen die Systeme und Verfahren im FTD, bevor sie in den teureren FFS wechseln. Das spart Kosten, denn eine FTD-Stunde ist deutlich günstiger als eine FFS-Stunde.
FNPT — Flight and Navigation Procedures Trainer (I, II, III)
Der FNPT ist das Arbeitspferd der Pilotenausbildung auf dem Weg zur Instrumentenflugberechtigung. Im Gegensatz zum FFS oder FTD muss ein FNPT kein spezifisches Cockpit nachbilden — er repräsentiert eine Klasse von Flugzeugen (z.B. einmotorig kolbengetrieben, mehrmotorig Turboprop).
FNPT I: Einfacher Verfahrenstrainer mit grundlegender Instrumentenausstattung. Geeignet für die Grundlagen des Instrumentenflugs. Ein FNPT I reicht aus, um Verfahren zu üben, aber die anrechenbaren Stunden sind begrenzt.
FNPT II: Umfassenderer Trainer mit vollständigem Instrumentenpanel, GPS/FMS-Simulation und realistischerer Darstellung. Der FNPT II ist der Standard für die IR-Ausbildung (Instrumentenflugberechtigung) in Flugschulen. Bis zu 35 der 50 vorgeschriebenen IR-Flugstunden können in einem FNPT II absolviert werden — eine erhebliche Kostenersparnis gegenüber realen Flugstunden.
FNPT III (MCC): Ein Multi-Crew-Trainer, der speziell für das Multi-Crew Cooperation Training (MCC) zugelassen ist. Dieser Trainer bildet ein Zwei-Personen-Cockpit nach und wird für die Ausbildung in Crew Resource Management und Multi-Crew-Verfahren eingesetzt — ein obligatorischer Ausbildungsschritt vor dem Einstieg in die Linienfliegerei.
BITD — Basic Instrument Training Device
Das BITD ist die einfachste Kategorie zugelassener Trainingsgeräte. Es muss kein spezifisches Cockpit nachbilden, sondern lediglich eine grundlegende Instrumentenumgebung bieten: Fluginstrumente, Navigationsanzeigen und Funkbedienung.
In der PPL-Ausbildung können maximal 5 Stunden im BITD oder FNPT auf die erforderlichen 45 Flugstunden angerechnet werden (nach Part-FCL). Das klingt nach wenig, aber für eine Flugschule kann selbst diese bescheidene Anrechnung sinnvoll sein: Die BITD-Stunde kostet einen Bruchteil der realen Flugstunde, und der Schüler übt Basisverfahren (Horizontalflug nach Instrumenten, Standard-Kurven, Steig- und Sinkflug), ohne ein Flugzeug zu blockieren.
Anrechenbare Stunden im Detail
| Ausbildung/Lizenz | Simulator-Typ | Anrechenbare Stunden | Grundlage |
|---|---|---|---|
| PPL(A) | BITD oder FNPT | Max. 5 h (von 45 h gesamt) | Part-FCL.210.A |
| LAPL(A) | BITD oder FNPT | Max. 3 h (von 30 h gesamt) | Part-FCL.110.A |
| IR(A) — Instrumentenflug | FNPT II oder FFS/FTD | Max. 35 h (von 50 h gesamt) | Part-FCL.610 |
| CB-IR (Competency-Based IR) | FNPT II oder FFS/FTD | Max. 10 h (von 40 h gesamt) | Part-FCL.610.IR |
| CPL(A) | FNPT II oder FFS/FTD | Max. 5 h (von 25 h gesamt) | Part-FCL.310.A |
| MCC (Multi Crew Cooperation) | FNPT III (MCC) oder FFS | 20 h (kompletter Lehrgang) | Part-FCL.735.A |
| ATPL-Theorie + Praxis (integriert) | FNPT II/III, FFS | variabel (Teil des integrierten Lehrgangs) | Part-FCL Appendix 3 |
| Type Rating (TR) | FFS Level C/D | Komplett möglich (ZFT) | Part-FCL.725 |
Was der Heimsimulator NICHT ersetzt
Das muss klar gesagt werden: Kein Heimsimulator — egal wie teuer oder hochwertig — wird von der EASA oder einer nationalen Luftfahrtbehörde als FSTD anerkannt. Die Stunden, die Sie in MSFS, X-Plane oder Prepar3D fliegen, zählen nicht für die Lizenz. Punkt.
Die Gründe dafür sind nachvollziehbar:
- Keine Zertifizierung: Ein FSTD muss von der zuständigen Behörde zertifiziert und regelmäßig überprüft werden. Jedes Update, jede Änderung muss dokumentiert und genehmigt werden. Ein Heimsimulator durchläuft diesen Prozess nicht.
- Keine Qualitätskontrolle: Wie realistisch ist das Flugmodell? Stimmen die Systemlogiken? In einem zertifizierten FSTD wird das überprüft — im Heimsimulator nicht.
- Keine standardisierte Umgebung: Die Ausbildung muss reproduzierbar sein. Ein zertifizierter FNPT ist immer gleich konfiguriert. Ein Heimsimulator kann zwischen Sitzungen verändert werden — andere Add-ons, andere Einstellungen, andere Hardware.
- Kein Instructor Operating Station (IOS): Zertifizierte Geräte haben eine Instruktorkonsole, über die der Fluglehrer Wetter, Störungen und Szenarien steuert. Das fehlt im Heimsimulator.
Trotzdem wertvoll: Der Heimsimulator als Lernhilfe
Auch wenn keine Stunde zählt, ist der Heimsimulator ein enormes Lernwerkzeug. Erfahrene Fluglehrer berichten übereinstimmend, dass Flugschüler mit Sim-Erfahrung oft schneller vorankommen — nicht weil die Sim-Stunden angerechnet werden, sondern weil bestimmte kognitive Fähigkeiten trainiert wurden:
Procedures und Checklisten üben: Die Abläufe einer Platzrunde, eines ILS-Anflugs oder eines Engine-Failure-Drills lassen sich am Heimsimulator so oft wiederholen, bis sie sitzen. Im echten Flugzeug kostet jede Wiederholung 150–300 Euro — am Simulator ist es kostenlos.
Radio Navigation trainieren: VOR-Radiale einstellen, NDB-Approaches fliegen, DME-Entfernungen interpretieren — die Grundlagen der Funknavigation lassen sich am Simulator hervorragend üben. Besonders die Arbeit mit dem HSI (Horizontal Situation Indicator) und dem CDI (Course Deviation Indicator) profitiert von der Übung am Bildschirm.
Approaches briefen und fliegen: Anflugverfahren lesen, briefen und dann im Simulator fliegen ist eines der besten Vorbereitungswerkzeuge für die IR-Ausbildung. Wer den ILS 25L in Frankfurt oder den RNAV 28 in Innsbruck am Simulator zehnmal geflogen hat, fühlt sich beim ersten realen Approach deutlich sicherer.
Situational Awareness entwickeln: Die Fähigkeit, das „große Bild" im Auge zu behalten — Position, Höhe, Geschwindigkeit, nächstes Manöver, Wetter — lässt sich am Simulator schulen. Multi-Tasking im Cockpit ist eine erlernbare Fähigkeit, und der Simulator bietet eine risikofreie Trainingsumgebung.
FMS und Avionik verstehen: Moderne Cockpits sind von Bildschirmen und Computern dominiert. Die Bedienung eines Garmin G1000, eines Collins Pro Line oder eines Airbus MCDU lässt sich am Simulator in Ruhe erlernen — ohne den Zeitdruck des realen Fluges.
Zertifizierte Ausbildungssimulatoren in Flugschulen
Zwischen dem Heim-PC und dem 20-Millionen-Euro-FFS gibt es eine wachsende Kategorie von zertifizierten Ausbildungssimulatoren, die gezielt für Flugschulen entwickelt werden:
Redbird FMX: Der Redbird Flight Simulations FMX ist ein Full-Motion AATD (Advanced Aviation Training Device nach FAA) bzw. kann als FNPT II qualifiziert werden. Er bietet ein geschlossenes Cockpit mit Sichtsystem und einem 3-DOF-Motion-System — und kostet einen Bruchteil eines Full-Flight-Simulators (ca. 80.000–120.000 US-Dollar). Viele Flugschulen in den USA und zunehmend auch in Europa setzen Redbird-Geräte ein.
Redbird MCX: Die Multi-Crew-Variante für Airline-Vorbereitung (MCC-Training). Konfigurierbar als Jet-Cockpit für CRM-Training und Multi-Crew-Verfahren.
Alsim ALX: Der französische Hersteller Alsim bietet FNPT-II-qualifizierte Trainer, die in europäischen Flugschulen weit verbreitet sind. Konfigurierbar als Single- oder Multi-Engine, mit oder ohne Sichtsystem.
Elite Simulation Solutions: Elite PI-135 und FNPT II-Trainer bieten robuste, zertifizierte Simulatoren für die GA-Ausbildung. Kompakt, wartungsarm und erschwinglich für kleinere Flugschulen.
Frasca International: Amerikanischer Hersteller mit langer Tradition, bietet FTDs und FFS für verschiedene Flugzeugtypen. Frasca-Geräte sind in Flugschulen und Universitäten weltweit im Einsatz.
X-Plane und MSFS als Plattform für zertifizierte Geräte
Ein interessanter Aspekt: Einige zertifizierte Trainingsgeräte nutzen X-Plane als zugrunde liegende Simulationsplattform. Laminar Research bietet eine professionelle Lizenz an, die es Herstellern von Ausbildungssimulatoren erlaubt, X-Plane als Engine für EASA- oder FAA-zertifizierte Geräte einzusetzen. Die Flugphysik von X-Plane — basierend auf der Blade Element Theory — wird dabei als Grundlage verwendet, während Cockpit-Hardware, Sichtsystem und Instructor Station speziell entwickelt werden.
Das bedeutet: Die gleiche Physik-Engine, die auf Ihrem Heim-PC läuft, treibt in einer anderen Konfiguration ein zertifiziertes Trainingsgerät an. Der Unterschied liegt nicht in der Software, sondern in der Gesamtsystem-Zertifizierung — Hardware, Software, Kalibrierung und Wartung als Einheit.
„Mein Fluglehrer sagte: Übe Procedures am Simulator, Fliegen im Flugzeug. Beides hat seine Berechtigung, aber verwechsle nicht das eine mit dem anderen." — PPL-Absolvent aus Deutschland
Praktische Tipps: Den Heimsimulator sinnvoll für die Ausbildung nutzen
- Dieselbe Flugzeugkonfiguration: Wenn Sie eine Cessna 172 fliegen lernen, nutzen Sie am Simulator eine möglichst realistische C172 (z.B. die MSFS-C172 oder die A2A C172 für X-Plane). Vertrautheit mit dem spezifischen Panel ist Gold wert.
- Echte Karten verwenden: Nutzen Sie Navigraph oder SkyVector für reale Approach Charts und fliegen Sie die Verfahren, die Sie in der Realität fliegen werden. Ihr Heimatflughafen, die typischen Übungsgebiete, die gängigen Anflüge.
- Checklisten abarbeiten: Gewöhnen Sie sich von Anfang an an Checklisten — auch am Simulator. Die Disziplin überträgt sich auf das echte Cockpit.
- Realistisch fliegen: Kein Zeitraffer, kein Autopilot in der Platzrunde, keine Abkürzungen. Der Lerneffekt kommt nur, wenn Sie den Simulator so ernst nehmen wie das Flugzeug.
- Briefings üben: Briefen Sie den Approach vor dem Flug — laut, als würden Sie es einem Co-Piloten erklären. Approach Type, Frequencies, Minima, Missed Approach Procedure. Das schult die mentale Vorbereitung.
Die Zukunft: Werden Heimsimulatoren jemals anerkannt?
Die Frage wird in der Community regelmäßig diskutiert. Die kurze Antwort: Nicht in absehbarer Zeit. Die regulatorischen Hürden sind hoch, und die Behörden haben gute Gründe für ihre konservative Haltung. Die Sicherheit der Luftfahrt basiert auf standardisierten, überprüfbaren Prozessen — und ein unkontrollierter Heimsimulator passt nicht in dieses System.
Was sich jedoch entwickelt: Die untere Grenze zertifizierter Geräte sinkt. BITDs werden günstiger und zugänglicher. Kompakte, zertifizierte Trainer wie der Redbird TD/TD2 sind bereits für unter 10.000 US-Dollar erhältlich und können als Ausbildungsgeräte qualifiziert werden. Es ist denkbar, dass in Zukunft noch einfachere Geräte — vielleicht auf Basis von Consumer-Hardware — zertifizierbar werden, solange sie bestimmte Mindeststandards erfüllen.
Bis dahin bleibt der Heimsimulator das, was er immer war: Ein unschätzbares Übungswerkzeug, das den Lernprozess beschleunigt, Procedures verinnerlicht und Situational Awareness schärft — ohne einen einzigen anrechenbaren Logeintrag zu produzieren. Und das ist vollkommen in Ordnung, denn der wahre Wert liegt nicht in den protokollierten Stunden, sondern im Wissen und der Sicherheit, die daraus erwachsen.